:: plattenbauten - zurück

.. delbo - havarien - loob - vö. 05.05.06

die musik von delbo ist ein bisschen so wie unerwarteter besuch, der auf der durchreise bei dir anklopft, auf einen kaffee, auf ein paar nette, kluge worte, aber dabei immer irgendwie rastlos, in sich kehrend, die hände am kaffee wärmend, hinterm fenster, im hinterhof die asymmetrien benennend, sich im denken und reden überschlagend, in deine augen ein bisschen ferne senkend.

in den acht liedern ihres neuen, mittlerweile dritten albums "havarien" behalten die drei delbos ihr vertracktes songwriting bei und setzen aus bass, gitarre und schlagzeug, und hin und wieder ein paar pianofetzen, postrock-klangskelette jenseits des deutschsprachigen indie-einerleis zusammen, kreieren transparente disharmonien und brechen und wenden die melodien in unvorhergesehene bahnen. bezeichnenderweise beginnt delbos opus trium mit einem stück namens „slalom“.

ein bisschen sind delbo irgendwie auch handwerker. sie errichten eine „figur“ (lied nr. 7), modellieren an ihr herum, brechen den plan, lassen sie stehen, skizzieren neu, betrachten die ränder und erkunden den kern, wirken dabei aber nie beliebig.

so wie sich die eingestanzte titelliste auf der der rückseite der hülle erst richtig zu erkennen gibt, wenn man mit dem bleistift rüberschraffiert, so sind auch die postbarocken texte delbotypisch verwegen, verworren und verwunden in die musik gepflanzt. mit jedem hören kann man die songs selbst neu bemustern und bemalen, neue assoziationen knüpfen. das ding delbo wächst. um sich schlussendlich im gehörgang und allem was da dran hängt (kopf, herz, bauch) festzusetzen.

nach 40 minuten heisst es dann aber: „départ“. ein bisschen schade. wie der abschied eines unerwartet-schönen besuchs.

martin